Fine Art Print oder Fineart-Print oder Giclée-Druck?

Ob wir das Motiv auf preiswertem RC-Papier (Raisin-Coated), also einem kunststoffbeschichtetem Inkjetpapier oder auf einem archivfesten Baumwolle- oder Baryt-Papier drucken, macht einen großen Unterschied für den Betrachter aus. Trotz identischer Ausgangsdatei sind Ergebnis und Wirkung der beiden Prints deutlich unterschiedlich. Der eine Druck ist durchaus überzeugend, der andere aber wird durch die Bezeichnung Fine-Art-Print oder Giclee-Druck aufgewertet. Was ist die Erklärung?

Kunststoffbeschichtete Papiere fühlen sich nicht sonderlich sympathisch an, geben aber physikalisch die beste Grundlage für eine maximale Schwärzung und leuchtende Farben. Das gleiche Bild sorgfältig auf teures Baumwolle-Papier gedruckt, löst beim Betrachter jedoch eine weitaus höhere Wertschätzung aus, obwohl messtechnisch das Bild auf dem Baumwolle-Papier weniger Dynamik und weniger leuchtende Farben bietet. Das hat mit der menschlichen Bewertung und mit seit Generationen gelernten Mustern zu tun, dass Papiere auch Wertigkeit vermitteln, nicht jedoch die uniformen Kunststoff-Folien auf denen auch Poster geprintet werden.

Baryt-Papiere wurden ersten in den
1970er Jahren aus dem Markt verdrängt

Fine-Art-Printing ist also u. anderem auch eine auf den Betrachter hin optimierte Präsentation. Zu Zeiten der analogen Fotografie gab es sehr wohl schon den Begriff „Fine-Art-Photography“, unter der man künstlerisch orientierte Bilder mit hoher Qualität in der Ausarbeitung verstand. Die klassischen Medien der analogen Dunkelkammer-Spezialisten waren damals Barytpapiere von Agfa, Kodak, Ilford, Tura, Argenta und erst der Vormarsch der PE- oder RC-Papiere in den 70er Jahren ermöglichte die industrielle Bildproduktion in den Großlabors. Der Vorteil, der kunststoffbeschichteten Papiere lag in der schnelleren Prozessgeschwindigkeit und so verdrängte das PE-Bild in den 80er und 90er Jahren zunehmend den Baryt-Print. 

Graham Nash, Musiker und
Pionier des Fine-Art-Printing

Erst mit dem Aufkommen von Inkjet-Printern Anfang der 90er Jahre versuchten einige Spezialisten den Druck von Fotos auf Künstlerpapieren, die ansonsten nur Maler nutzten. Graham Nash, Musiker (u. a Hollies und Crosby, Nash & Young) war 1993 ein Pionier des Fineart-Printing. Auf einem mehr als 100.000 Dollar teuren IRIS-Drucker produzierte er Fotos und sorgte damit für Aufsehen. Graham Nash wird zu Recht auch als Erfinder des Fineart-Printing genannt. Seine Absicht war es, Fotos auf den Künstlerpapieren von Hahnemühle oder Canson zu drucken. Da diese unbeschichteten Papiere die Tinte jedoch aufsaugten, ohne dass leuchtende Farben entstanden, forderte Nash die Hersteller auf ihre Papiere entsprechend zu beschichten. Aus jener Zeit stamt auch der Begriff "Giclée-Druck" als Umschreibung für einen Kunstdruck, der mittel Inkjet gedrtuckt wurde.. Wikipedia erklärt, dass der Begriff "gicler" aus dem Französischen stamme und für "spritzen oder sprühen" stehe

2005 kam mit den Ultrachrome-K3-Tinten
der Durchbruch: Perfekte Schwarzweiss-Qualität

Einen echten Durchbruch für Fine-Art-Printing brachte die Einführung der Ultrachrome-Tinten von Epson im Sommer 2000. Diese pigmentierten Tinten sind Jahrzehnte haltbar, was die von den damaligen Iris-Druckern nicht waren. In den Folgejahren entwickelte sich die Inkjet-Technologie soweit, dass ab dem Jahr 2005 mit der Einführung der Ultrachrome K3-Tinten endlich eine Schwarzweiß-Wiedergabe möglich war, die mindestens so gut, wenn nicht sogar besser als die aus der analogen Dunkelkammer war. Zu diesem Zeitpunkt investierte auch der in Deutschland ansässige Papierhersteller Hahnemühle intensiv in diesen Markt und ist heute Weltmarktführer für Papiere für Fine-Art-Printing. Die mehr als zwanzig Fine-Art-Medien von Hahnemühle genießen in Künstlerkreisen höchste Wertschätzung bezüglich Bildwiedergabe und Haptik sowie für ihre Langzeitbeständigkeit.

 Der Begriff Fine Art Print ist dennoch weder exakt definiert und geschützt. Und so wundert es nicht, wenn jeder seinen Honig aus dem Namen Fineart saugt. Auch wir als Zeitschrift „FineArtPrinter“ haben uns 2005 den Gattungsbegriff für edle Präsentation auf archivfesten Papieren für die Zeitschrift gewählt.

Nur die besten Bilder werden "Fine Art":
Das ist auch wirtschaftlich nachvollziehbar

Hermann Will, Chefredakteur von FineArtPrinter definiert Fineart-Printing folgendermaßen: Von allem das Beste, wobei eine Diskussion über das Motiv sinnlos ist, das ist Geschmacksache und die Freiheit des Bildautors oder Künstlers. Entscheidend ist die Qualitätskette konsequent durchzuhalten. Wer ein Bild am Monitor bearbeitet hat und dieses dann druckt, investiert nicht nur einiges an Zeit in den Druck sondern auch teure Tinte und Papier. Deshalb ist es auch eine wirtschaftliche Seite des Fineart-Printing, dass nur die besten Aufnahmen zu Papier gebracht werden. Und dieses Destillieren, das Herausarbeiten des besten Bildes aus Dutzenden von gleichartig wirkenden Aufnahmen ist der Prozess, bei dem der Anwender über seine Fotografie sehr viel lernt. Das Selektieren, das Heraussuchen des besten Bildes ist ein Vorgang, der  Fine-Art-Printing so wertvoll macht, weil nur über diesen Weg sich der Fotograf mit seinen Bildern nochmals intensiv beschäftigt und dabei seine Fehler in aller Ruhe analysieren kann. Bei der Wahl der Papieroberfläche (Glänzend oder seidiger Barytoberfläche oder matt) betreibt der Künstler Fine-Tuning bei der Präsentation, was erneut das visuelle Sehen des Fotografen fordert.